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Published on März 5th, 2013 | by corto

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Stellungnahme

Wir, die Gruppe Ultras Braunschweig, möchten uns mit einigen Worten zur Stellungnahme von Cattiva Brunsviga vom 28. Februar äußern.

Diese Stellungnahme unter dem Titel „Warum der Konflikt mit UB’01 kein Ende nimmt“, besitzt die grundsätzliche Ausrichtung unsere Gruppe mit der „Initiative gegen rechte (Hooligan-)Strukturen“ gleichzusetzen. Deutlich wird dies bereits dadurch, dass sie als eine Reaktion auf die jüngste Veröffentlichung der Initiative erfolgte. Wir versuchen seit der Existenz dieser Initiative immer wieder eine deutliche Trennung klar zumachen und aufzuzeigen, dass beide Gruppen unabhängig voneinander agieren. Wir sehen uns also nicht in der Verantwortung für die Veröffentlichungen der Initiative, wenngleich wir ihre Arbeit begrüßen und durchaus als notwendig betrachten. Da sich die Stellungnahme an die Gruppe Ultras Braunschweig richtet, wollen wir uns trotzdem nicht verweigern und auf die Positionierungen und Vorwürfe eingehen.

Wir begrüßen zunächst einmal eindeutig die öffentliche Positionierung von Cattiva Brunsviga gegen Diskriminierung im Stadion. Uns ist bewusst, was für ein weiter Weg es ist, offen dazu Stellung zu beziehen und wir freuen uns, dass diese positive Entwicklung offenbar stattfindet. Aus unserer Sicht kann es tatsächlich keine zwei Meinungen geben, wenn es darum geht Faschismus, Sexismus, Homophobie, Antiziganismus und andere Ausgrenzungsmechanismen aus den Stadien zu drängen.
Einen Dissens haben wir jedoch hinsichtlich der Rolle der Hooligans. Hooligans agieren eben nicht wie normale Eintrachtfans (ob Supporter, Kutte oder Ultrà), sondern definieren sich durch die Androhung oder Ausübung von Gewalt, aus der nicht selten eine Vormachtstellung in der Fanszene erwächst. Somit sehen wir nicht nur rechte Hooligans als Problem, sondern ebenso den Hooliganismus mit dem ihm innewohnenden Gewaltfetisch an sich.
Nichtsdestotrotz erkennen wir in Teilen der Stellungnahme eine Perspektive, die den richtigen Weg einschlägt, und uns gleichzeitig darin bestätigt, dass anti-diskriminierende Politik im Stadion ihren Platz hat.

Vehement widersprechen müssen wir jedoch dem Vorwurf, dass unsere Gruppe sich verschiedenen medialen Mitteln bediene, um angeblich harmlose Vorfälle und Attacken öffentlich zu thematisieren. Die Drohung des Abstechens mit einem Messer können wohl nur diejenigen als eine „Disko-Schubserei“ abtun, die in der Rolle der Angreifenden auftreten oder deren Bewertungsmaßstäbe massiv verrutscht sind. Welche Emotionen die Betroffenen eines solchen Übergriffs durchmachen, obliegt dabei sicherlich nicht der Bewertung der Angreifer. Wir werden es folglich auch nicht akzeptieren, dass Übergriffe mit derlei Argumenten verharmlost und bagatellisiert werden. Zum Glück existiert bei uns der Konsens, dass man sich auch „Ultrà“ auf die Fahne schreiben darf, wenn man nicht teilnehmen möchte an Profilierungsversuchen durch gewalttätige Auseinandersetzungen mit (vermeintlich) rivalisierenden Fan- & Ultràgruppen.

Ebenso traurig ist der Versuch, uns auf der Gegenseite gleichzeitig mit Vorwürfen zu delegitimieren, die eine relativierende Wirkung haben sollen. Die Einführung einer Parole wie „XY Stadt – Ihr Zigeuner“ unserer Gruppe zuzuschreiben ist gewagt, da dieser Fangesang weit älter als die eigene Historie ist und leider in vielen Teilen der Fanszene Anklang fand. Uns einer irgendwie gearteten Urheberschaft zu bezichtigen, schießt demnach deutlich am Ziel vorbei. Schließlich haben wir nie einen Hehl daraus gemacht, dass Ultras Braunschweig in der Vergangenheit Fehler begangen hat. Ganz im Gegenteil, wir gehen damit offen um und uns ist bewusst, dass vor einigen Jahren solche Parolen auch noch gerufen wurden. Dies war einer der Gründe, warum wir uns von zahlreichen Mitglieder getrennt und uns fortan grundsätzlich öffentlich gegen diskriminierende Parolen und Aktivitäten gestellt haben.

Etwas verwundert sind wir über die Schilderung eines Vorfalls beim Aalen-Spiel, da uns nicht bekannt ist, dass ein Flyer-Verteiler aus unserer Gruppe heraus bedroht worden sein soll. Vielmehr kam es beim Betreten des Stadions zu Beschimpfungen durch einen am Eingang postierten Flyer-Verteiler, der einer Person aus unserem Kreise die Worte „Verpiss dich, du Spasti!“ entgegenrief.
Ganz generell möchten wir hierbei betonen, dass wir als Gruppe über jeden Spieltag ohne Vorfälle froh sind und versuchen möglichen Konfrontation aus dem Wege zu gehen, wie unsere letzten Spielbesuche gezeigt haben.

Der aus dem Jahr 2009 stammende Fall ist von der Kritik her eindeutig berechtigt. Wie Cattiva Brunsviga aber selber weiß, ist die dabei federführend agierende Person schon lange in die aktive Fanszene der Südkurve zurückgekehrt und seit nunmehr vier Jahren kein Teil der Idee „Ultras Curva Nord“ mehr.
Aus der geäußerten Kritik an solchem Handeln heraus ziehen wir die Schlussfolgerung, dass es in der Südkurve offensichtlich keine von den führenden Gruppen der Fanszene verhängten Betretungsverbote und Gewaltandrohungen gegen ehemalige Aktive aus dem Kreis von UB oder vermutete Sympathisant*innen mehr gibt. Eine weitere positive Entwicklung anscheinend.

Wir als Ultras Braunschweig wissen letztlich nicht genau die Intention und Motivation der Stellungnahme zu deuten, da sie so wirkt, als wäre sie eine verschriftlichte Abrechnung mit uns als Gruppe. Nachdem es von Cattiva bisher noch nie eine offene Distanzierung von Gruppen wie den „Fetten Schweinen/Hungerhaken“, den „Alten Kameraden“ bzw. ihrem Nachwuchs oder den „Exzess Boys“ gab, scheint UB noch immer ein größeres Problem zu sein. Das sieht man auch an dem Fazit, dass alle Integrationsfähigkeit von UB als nichtig ansieht, aber die aufgezählten Gruppen offenbar als in die Fanszene eingefügt ansieht. Genau aus diesem Grund sehen wir diese „fehlende Integrationsfähigkeit“ unserer Gruppe auch nicht als negativ an, wollen wir ganz einfach gesagt doch nicht mit den o.g. rechten Gruppierungen zusammen die Tore von Eintracht Braunschweig feiern.
Deshalb ist es auch absurd uns vorzuwerfen, wir würden aus einem „Statusverlust“ heraus als Motiv handeln. Wir haben schlichtweg kein Interesse mehr an einem Fankonflikt über die Art und Weise des Supports oder des Fan- bzw. Ultràdaseins.

Wenn dann im gleichen Zuge Kritik aufkommt an unseren Kontakten zu Gruppierungen oder Fans anderer Vereine, sei schlichtweg entgegnet, dass wir diese als mündige Gruppe pflegen, wie wir es für richtig halten. Wir werden keine altbekannten „Freundschaften“ des Vereins und der Fanszene übernehmen, nur weil diese angeblich schon immer bestehen. Vor allem nicht jene Verbindungen zu anderen Fanszenen, die vorwiegend von rechten Hooligans etabliert wurden. Diese Position müsste eigentlich auf Verständnis stoßen, hat doch Cattiva Brunsviga ebenso schon Austausch mit anderen Ultrà-Gruppierungen geführt, die nicht aus Mannheim, Magdeburg oder Basel stammen.

Schlussendlich wollen wir jedoch die positiven Tendenzen in der Stellungnahme nicht verkennen, da wir uns über die erfolgte Positionierung gegen Diskriminierung freuen. Nun wäre es aus unserer Sicht wünschenswert und folgerichtig, wenn Cattiva sich nicht nur gegen Diskriminierung an sich, sondern auch gegen jene Gruppen bekennt, von denen rechte Gewalt und diskriminierende Handlungen ausgehen. Dies würde verdeutlichen, dass es sich dabei nicht nur um ein Lippenbekenntnis als Resultat der Entwicklungen in den letzten Monaten handelt, sondern ganz grundsätzlich gilt: Keine Eintracht mit Nazis – ob in Süd- oder Nordkurve!

Ultras Braunschweig im März 2013


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